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Wie kann ich Gelerntes besser behalten?

[5 Min Lebenszeit]

Warum lesen wir überhaupt Bücher und Blogbeiträge, wenn wir sie nach ein paar Stunden wieder vergessen haben?

Ihr kennt das sicher auch: Ihr habt es euch irgendwo bequem gemacht, lest mehrere Blogbeiträge und Artikel, könnt euch aber später kaum an den Inhalt erinnern? Mir geht es oft so und ich frage mich, ob das nicht besser geht.

 

Wie das Internet unser Gedächtnis verändert

Im 19. Jh. entdeckte der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus die Vergessenskurve – ein Konzept, das davon ausgeht, dass unsere Merkfähigkeit mit der Zeit abnimmt. Die Vergessenskurve ist am ersten Tag der Informationsaufnahme am steilsten. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass wir den größten Teil des Gelernten direkt wieder vergessen, wenn wir es nicht wiederholen. Der Erinnerungsverlust setzt sich dann über die nächsten Tage fort, bis am Ende nur noch ein Hauch der ursprünglichen Information übrig ist.

Der Artikel „Why We Forget Most of the Books We Read“ von The Atlantic thematisiert wie die Internetnutzung das Ganze noch verschlimmert. Dort berichtet der Neurowissenschaftler Jared Horvath, dass das Internet sich zu einer Art Festplatte für unser Gedächtnis entwickelt hat: Weil wir wissen, dass jede Information dort verfügbar ist, strengen wir uns weniger an, Gelerntes vollständig zu verstehen.

Dieses „Wissen on demand“ wird immer beliebter. Es ist effizienter, nach Informationen zu suchen wenn man sie braucht, anstatt langfristig und bewusst zu speichern, was einmal nützlich sein könnte. Doch wo schnelle, oberflächliche Informations-Häppchen ausreichen, verliert tiefergehendes Verständnis an Wert. Oder?

 

Binge-Watching verschlechtert die Erinnerung

Das Aufkommen und die Beliebtheit leicht konsumierbarer Medieninhalte macht uns außerdem anfälliger für Binge-Watching/Consuming. Ganz ehrlich: Wer hat sich nicht schon einmal die Nacht mit einer ganzen Staffel der Lieblingsserie um die Ohren gehauen?

Die Forschungergebnisse von Horvarth und seinen Kollegen*innen bestätigen das. Sie haben herausgefunden, dass Binge-Watching uns dazu verleitet, gedankenlos Inhalte zu konsumieren, anstatt sich bewusst mit jedem Medieninhalt auseinanderzusetzen. Ihre Studie zeigt, dass binge-watchende Teilnehmer*innen Inhalte schneller vergessen, als Teilnehmende, die nur eine Folge pro Tag oder Woche schauen.

Wir verschlingen übrigens nicht nur Serien – auch das geschriebene Wort ist betroffen. In einem Artikel der Morning News berichtet Nikkitha Bakshani, dass wir gerade im Internet verleitet sind, Texte zu überfliegen, anstatt uns tiefergehendes Wissen anzueignen.nWir lesen also oft gar nicht, um etwas zu lernen. Viel mehr fühlen wir uns, als würden wir durch das Lesen etwas lernen – während wir eigentlich nur Wörter auf dem Bildschirm identifizieren. Wenn wir glauben, dass sich so Informationen in unser Gehirn übertragen und dort für immer bleiben, täuschen wir uns am Ende nur selbst.

 

Der Ausweg: mehr Fragen stellen

Aber wie können wir Gelerntes dann besser behalten? Erst einmal müssen wir uns Zeit geben, um Neues zu verdauen. Horvarth empfiehlt deshalb, die Inhalte zu portionieren: Das bedeutet, ein Buch oder eine Serie nicht am Stück wegzulesen, sondern sich in verdaulichen Häppchen zu Gemüte zu führen.

Außerdem ist es wichtig, dass erhaltenswerte Informationen immer wieder ins Gedächtnis ruft. Wer für einen Test lernt oder ein komplexes Konzept verstehen möchte, sollte immer wieder auf dieselben Kerninformationen zurückgreifen. Jedes Mal, wenn man sich diese Informationen ins Gedächtnis ruft, verfestigt sich die Idee im Langzeitgedächtnis und es bildet sich eine Struktur, die sekundäre Informationen ordnet und abrufbar macht.

Bevor man jedoch erneut versucht, sich an das Gelernte zu erinnern, sollten einige Stunden verstrichen sein. Wer ohne die verwendete Lernvorlage (Exzerpt, Mindmap, etc.) nicht weiterkommt, kann einen Blick darauf werfen und es in ein paar Stunden noch einmal versuchen. Je öfter wir dieses Vorgehen üben, desto wahrscheinlicher ist es, das erwünschten Inhalt auch behalten zu können.

 

Der Blogger Scott H. Young ist nicht nur überzeugt davon, dass Lernen der Schlüssel zu einem erfüllten Leben ist – er hat auch eine eine Antwort auf die Frage „Was ist die beste Art zu lernen?“ gefunden:

The Question Book Method

The Question Book Method“ besagt, dass wir uns Dinge notieren sollen, die wir behalten möchten. Soweit – so unspektakulär. Statt die Inhalte jedoch in eigenen Worten zusammenzufassen, empfiehlt diese Methode, dass wir uns selbst Fragen zu den Dingen stellen, die wir gerne behalten möchten.

Wer das Prinzip anwenden möchte, sollte darauf achten nicht zu streng mit sich selbst zu sein. Eine Frage pro Buchkapitel reicht vollkommen und das Lesevergnügen sollte weiterhin im Vordergrund stehen. Außerdem ist es hilfreich sich die Seitenzahlen zu notieren, damit man die Antworten auf die Fragen auch wiederfindet. Eine einfache Lösung dafür sind Karteikarten, die gleichzeitig ein gutes Lesezeichen abgeben.

Wie wir sehen, gibt es durchaus sinnvolle Methoden, um Gelerntes leichter zu behalten. Wichtig ist: Wir sollten die gewünschten Informationen regelmäßig abrufen und Inhalte stets hinterfragen, um sie stärker zu verinnerlichen. Bevor du dich nun aber wieder auf neue Eindrücke konzentrierst, ist hier noch eine kleine Übung für dich. Nimm dir nachdem du diesen Beitrag gelesen hast ein paar Stunden Zeit und stelle und beantworte dir danach folgende Fragen:

  1. Wie erinnere ich mich besser an Dinge, die ich gelernt habe?
  2. Wie verändert Binge-Watching meine Fähigkeit, mich zu erinnern?
  3. Wie hat das Internet unsere Art zu lernen und Informationen zu behalten verändert?
Dieser Beitrag basiert auf dem Medium-Artikel How Do I Stop Forgetting What I Learned So Quickly? von William Cho.

Autor dieses Artikels ist Lennard Sangmeister, der seit März 2020 bei uns ist. Wenn du auch mehr über Jobs bei uns erfahren willst, schau mal hier vorbei.

Datum: 26.05.2020
Autor: Lennard Sangmeister, Werkstudierender bei FUTUR III (Stand Veröffentlichung)

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