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#weexplainforeveryone: Impfinfos in 16 Sprachen

What a journey!

Unter #weexplainforeveryone haben wir, gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen, der Lotto-Sport-Stiftung Niedersachsen und der Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe (Doris Schröder-Köpf) innerhalb von nur 6 Wochen im Rahmen einer Aufklärungskampagne Impf-Infos in 16 Sprachen mit 11 Ärzt:innen und über 40 übersetzten FAQ inklusive von Expert:innen validierten Antworten konzipiert, kreiert und umgesetzt. Innerhalb von 2 Monaten erzielten wir eine Reichweite von 123,8 Millionen Kontakten. Dabei startet die begleitende Facebook-Ad-Kampagne gerade erst.

Alle Inhalte zu #weexplainforeveryone findet ihr auf der dafür eingerichteten Landingpage.

Das Problem: Impfbereitschaft auf Minimalniveau

Besonders bei Menschen, die die deutsche Sprache nicht vollständig beherrschen, ist die Impfbereitschaft bislang teilweise sehr gering – ein Umstand, den wir mit der Aktion ändern möchten. Besonders deutlich wurde dies durch die täglichen Arbeitserfahrungen des Flüchtlingsrats Niedersachsen, der mit dem Anliegen zur Umsetzung der Kampagne auf uns zu kam. Wir waren sofort dabei, denn die Gefahr ist offensichtlich: Besonders in Sammelunterkünften oder bei Menschen, die in eher beengten Wohnraumsituationen oder sozialen Gefügen leben, ist das Infektionsrisiko besonders hoch. Diese Gruppen sind deshalb priorisiert zu schützen – genauso wie Lehrer:innen, Polizist:innen sowie Menschen in der Altenpflege oder im Gesundheitswesen.

Unser Ansatz: Einheitliche, gesicherte Infos – niedrigschwellig und glaubwürdig vermittelt

In den 16 Videos geben anerkannte Mediziner:innen, die alle selbst eine familiäre Migrationsgeschichte haben, eine Übersicht zu grundlegenden, geprüften Informationen rund um das Thema „Impfen in Deutschland“. Die Informationen sind sachlich aufbereitet und möglichst leichtverständlich formuliert. Ebenso verhält es sich mit den FAQ und den dazugehörigen Antworten: Sie setzen sich aus regelmäßig in Geflüchtetenunterkünften gestellten Fragen, aber auch aus ganz allgemeinen Fragen zusammen. Die Antworten wurden ebenfalls von medizinischen Expert:innen geprüft und freigegeben.

Die Lösung: Mediziner:innen, die Vertrauen schaffen – menschlich und nah

Uns war es ein großes Anliegen, durch die Auswahl der Protagonist:innen nicht nur auf echte Expert:innen vertrauen zu können, sondern vor allem auch Menschen zu finden, die anderen Menschen mit Migrationsgeschichte ein deutliches Gefühl des Vetrauens vermitteln. Deshalb wurden gezielt Mediziner:innen gewählt, die nicht nur jeweilige Muttersprachler:innen sind, sondern selbst realen Bezug zu den Lebenswelten von Menschen haben, die im Alltag mit Sprachbarrieren, Ressintements und anderen Ausgrenzungserfahrungen zu kämpfen haben oder hatten.

Die Bedingungen: 30.000 Euro Gesamtbudget – das wird knackig

Ebenfalls erwähnenswert: Die gesamte Aktion hatte – inklusive Produktions- und Übersetzungskosten – ein Maximalbudget von rund 30.000 Euro. Ein riesiges Dankeschön geht deshalb an die Lotto-Sport-Stiftung-Niedersachsen, die den Großteil der Kosten auf sich nahm. Wir von FUTUR III haben übrigens vollständig auf unsere Bezahlung verzichtet – der gesellschaftliche Gewinn steht für uns hierbei vor dem finanziellen. Auch die anderen Partner:innen, wie element K (Videoproduktion), blanq (Website) und 44er (Ad-Management), verzichteten auf Gewinne und arbeiteten stattdessen zum Unkostenpreis.

Der Effekt: Social-Reach durch massiven Support von Facebook Deutschland

Die Begleitung der Kampagne über payed Teaser-Ads zu den Erklärvideos in sozialen Medien war von vornherein Teil der Verbreitungsmechanik. Das Problem: Das Budget war viel zu knapp um eine breitflächige Umsetzung in Niedersachsen – von Deutschland ganz zu schweigen – zu ermöglichen.
Deshalb war es eine enorme Hilfe, dass sich nach tatkräftiger Vermittlung durch Alex von 44er unsere Ansprechpartner:innen bei Facebook Germany gerne bereit erklärten, die Kampagne mit Ad-Credits im Wert von 130.000,00 US-Dollar zu unterstützen. Die Ad-Kampagne, bestehend aus Teaser-Clips in 16 Sprachen, wird derzeit über Facebook und Instagram gezielt an Menschen ausgespielt, die die jeweiligen Sprachen sprechen. Und das nicht mehr nur in Niedersachsen – sondern inzwischen deutschlandweit.

Das Ergebnis: Erfolg auf allen Ebenen

Auch wenn die Kampagne noch läuft, sprechen die Zahlen bereits für sich: Durch die solidarische Zusammenarbeit, das extreme Engagement aller Beteiligten mit zahlreichen Nachtschichten, nie schweigenden Telefonen, unzähligen spontanen Abstimmungschleifen und vielen unvorhergesehenen, kleinen und großen Herausforderungen, war es möglich, das Unmögliche zu schaffen. Erfahrungsberichte aus dem Umfeld des Flüchtlingsrats zeigen: Die Ängste vor dem Impfen und kursierende Verschwörungstheorien nehmen allmählich ab – die Impfbereitschaft steigt.
Das liegt zum einen an der umfassenden Presse- und Medienarbeit, zum anderen an der persönlichen Aufklärungsarbeit zahlreicher ehrenamtlicher und hauptamtlicher Helfer:innen, die die Kampagnen-Inhalte als Informationsbasis nutzen. So laufen die Videos derzeit in Dauerschleife auf Infoscreens in diversen Sammelunterkünften, werden von Caritas und dem Land Niedersachsen als Informationsgrundlage genutzt und wirken dadurch breitflächig und über soziale Medien hinaus.
Während die Presse- und Medienarbeit für Berichte in der Tagesschau, auf diversen Privatsendern, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in vielen großen deutschen Tageszeitungen von SZ bis DIE ZEIT (eigtl. fast alle außer BILD) sorgte, ist es der persönliche Kontakt zu Menschen in Geflüchtetenunterkünften, der maßgeblich zur stetigen Veränderung der Situation beiträgt. Obendrein war es hilfreich, dass Influencer:innen wie etwa DariaDaria die Kampagne aus persönlicher Überzeugung und ohne Bezahlung auf ihren Kanälen teilten.

Der Dank: Ohne euch ginge nichts, liebe Ärzt:innen!

An dieser Stelle möchten wir uns noch besonders bei der wichtigsten Gruppe Mitwirkender bedanken: Unseren Ärzt:innen! Ihr wart bereit, eure Stimmen und eure Gesichter zu den Stimmen und Gesichtern der Kampagne zu machen. Und ihr bleibt bei eurer Entscheidung – den Drohmails und -anrufen aus der rechtsradikalen und der Querdenker:innen-Bubble zum Trotz. Danke für euren Mut und euer Engangement – neben der unfassbaren Arbeit, die ihr ohnehin aktuell alle leistet.