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In Teams We Trust: Was du für mehr Team-Vertrauen tun kannst

[5 Min Lebenszeit] Vertrauen ist etwas, das wir jeden Tag aufs Neue schenken: Dem Frisör, den wir unsere Haare schneiden lassen, der Nachbarin, wenn sie unsere Pflanzen gießt oder dem Team, mit dem wir unsere Ideen teilen. Vertrauen kann dafür sorgen, dass unsere Pflanzen eingehen und unser Haarschnitt misslingt. Es kann aber auch bewirken, dass wir Dinge auf die Beine stellen, die alleine nie möglich gewesen wären. Das Schöne am Vertrauen ist: Es liegt in unserer Hand.

Vertrauen im Team

Die Auswirkung von Vertrauen ist gerade in komplexeren Beziehungskonstellationen, wie etwa in Teams, deutlich spürbar. Vertrauen kann die Zufriedenheit und Leistung von Mitarbeitenden steigern, fehlt es können Teams jedoch oft ihr volles Potential gar nicht ausschöpfen. Aber warum ist das so?

Vertrauen schafft Sicherheit

Einer Google-Studie zufolge liegt der Erfolg von Teams des Suchmaschinen-Riesen maßgeblich in der sogenannten „Psychologial Safety“. Das Konzept der psychologischen Sicherheit stammt von Amy Edmondson, Buchautorin und Lehrende an der Harvard Business School. Es besagt, dass sich Mitglieder eines Teams sicher fühlen müssen, damit sie ihre Meinung äußern, Fragen stellen und Vorschläge machen. Wer keine Sanktionen oder Hohn von den Kolleg:innen fürchtet, spricht eher aus, was er:sie denkt und ist somit bereit Risiken einzugehen – eine der wichtigsten Voraussetzungen für Innovation!

Vertrauen fördert Fehlerkultur

Wer hat es nicht schon einmal erlebt: Ein Team-Mitglied ist so überzeugt von der eigenen Idee, dass jegliche Widerworte abprallen, also geht ihr den Weg des geringsten Widerstandes und verkneift euch eure Kritik. Ein solches Zurückhalten von kritischem Feedback ist allerdings absolut schädlich für Fortschritt und führt schnell zu unwiderruflichen Fehlern. Immer wieder fragen wir uns bei großen Unternehmensskandalen, wie das nur passieren konnte. Im Nachgang berichten betroffene Mitarbeitende dann oft von tyrannischen Vorgesetzten und einer Atmosphäre der Angst. Eine Vertrauenskultur kann in Organisationen und Teams als eine Art Frühwarnsystem funktionieren, da Mitarbeitende sich sicher genug fühlen auf Fehler hinzuweisen bevor sich diese verselbstständigen.

Vertrauen reduziert Komplexität

Laut dem Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann ist Vertrauen „ein Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität“. Ohne Vertrauen wäre unser Leben ein einziger Aufwand: Wir müssten unsere Nachbarin überwachen, um zu erfahren, ob sie unsere Pflanzen auch wirklich gießt und eine Lehre machen, um dem Frisör auf die Finger schauen zu können. Klingt absurd? Im Organisationskontext erleben wir oft ausgefeilte Mechanismen, die allein dazu dienen Kontrolle auszuüben. Manche Unternehmen gehen sogar soweit, ihre eigenen Mitarbeitenden zu bespitzeln. Vertrauen wir auf Team-Ebene darauf, dass unsere Kolleg:innen gute Arbeit leisten und uns wohlgesonnen sind, können wir Misskommunikation vorbeugen, einander wertschätzen und uns darauf konzentrieren einen guten Job zu machen. Mit anderen Worten, wir machen uns und anderen das Arbeitsleben einfacher.

Vertrauen erhöht Geschwindigkeit

Vertrauen und Schnelligkeit haben auf den ersten Blick vielleicht wenig gemeinsam. Dabei gibt es sogar einen eigenen Bestseller dazu: In The Speed of Trust berichtet Stephen M. R. Covey, wie eine Kultur des Misstrauens in einem seiner früheren Teams alles verlangsamte und Vertrauen als „wichtigste Zutat effektiver Kommunikation“ die Performance steigern konnte. Sein Hauptargument: Vertrauen wir anderen, können wir Transaktionskosten einsparen. Das gilt im Privatleben genauso wie für Teams – wer keine Zeit für Hintergedanken verschwendet und Aufgaben an andere abgeben kann, trifft schnellere Entscheidungen und schafft schlankere Prozesse.

Teamwork makes the Dream work

Wir sehen: viele wichtige Faktoren für den Erfolg von Teams scheinen mit Vertrauen einherzugehen. Sicherheit, Fehlerkultur, Komplexitätsreduktion und Geschwindigkeit sind nur ein Teil des Nutzens, den wir aus einem vertrauensvollen Umfeld ziehen. Was wir dabei nicht vergessen sollten, ist die Stimmung im Team. Wohl kaum jemand genießt es, in einer Atmosphäre des Misstrauens zu arbeiten, geschweige denn sich wirklich reinzuknien.

Wer kein Vertrauen im Team erfährt, hat also ein echtes Problem. Und nein, sich beim jährlichen Offsite rückwärts in die ausgestreckten Arme der lächelnden Teamkolleg:innen fallen zu lassen, wird es vermutlich nicht lösen. Vielmehr kannst du es lösen. Oder zumindest den ersten Schritt tun.

Wie kann ich im Team zu mehr Vertrauen beitragen?

Vertrauen ist ein äußerst fragiles Konstrukt. Einmal erschüttert, ist es nur schwer wieder aufzubauen. Es ist wichtig, sich das vor Augen zu führen und dafür zu sorgen, dass es gar nicht erst soweit kommt. Diese einfachen Ratschläge helfen dir dabei, wie du zu einer vertrauensvolleren Atmosphäre im Team beitragen kannst:

1. Offen und wertschätzend kommunizieren

Jemand unterbricht dich permanent im Meeting und das nervt gewaltig? Sprich es an! Der wichtigste Punkt, um Vertrauen aufzubauen: Ehrlich sein und offen über Dinge reden. Spannungen in sich reinzufressen, führt häufig zu Misstrauen und Wut, die sich gerne zu den ungünstigsten Zeitpunkten entlädt. Und vielleicht merkt es die Person ja auch einfach gar nicht…

Um reinen Tisch mit Teammitgliedern zu machen, kann es hilfreich sein, einen eigenen Termin dafür zu finden. Idealerweise findet so ein Termin statt, wenn etwaiger Missmut sich gelegt hat und du in der Lage bist auf Sachebene zu kommunizieren. Begründe im Gespräch deine Argumente und schildere wie du dich fühlst – lass dich aber auch auf die Perspektive des Gegenübers ein, um zu verstehen, was sie:ihn bewegt. Wichtig dabei: Ausreden lassen, zuhören und (optional) sich am Ende ein High Five geben, weil man offen und wertschätzend miteinander kommuniziert hat.

2. Fehler akzeptieren und gemeinsam daraus lernen

Gerade als Mitarbeiter:in einer Kommunikationsagentur ist es unheimlich wichtig viele „dumme“ Ideen zu produzieren (Wer hätte das gedacht!). Nicht selten lässt sich Mist in Gold verwandeln, wenn man auf den Ideen anderer aufbaut oder sie umdreht. Dafür gibt es sogar eigene Techniken, wie die Kopfstandmethode, die wir bei FUTUR III sehr lieben.

Überträgt man diese Fail-Forward-Logik auf Meetings in jedem x-beliebigen Team heißt das: Es gibt keine „dummen“ Fragen, es ist okay Fehler zu machen und es ist erwünscht Einwände zu äußern. Einerseits schaffen wir dadurch die Möglichkeit Fehler aufzudecken und bessere Lösungen zu finden, andererseits erzeugen wir eine Umgebung, in der wir uns sicher fühlen und ganz einbringen können. Davon ist in dein Team weit entfernt? Versuche es mit Tipp 1!

3. Vertrauen vorschießen

Eine Maßnahme, die eindeutig im eigenen Wirkradius liegt, ist der Vertrauensvorschuss. Dahinter steht die Idee, sich nicht darauf zu verlassen, dass Vertrauen komplett von anderen abhängt. Ganz nach dem Credo „So wie es in den Wald schallt…“ kannst du Vertrauen schenken und es so anderen leichter machen, dir Vertrauen entgegenzubringen.

Indem du bei deinen Teammitgliedern von guten Absichten ausgehst, kannst du aktiv zu einem positiven Arbeitsklima beitragen und „Komplexität reduzieren“. Wichtig ist es dabei geduldig zu sein, denn Vertrauen entsteht mit der Zeit. Und klar, es kann natürlich vorkommen, dass du enttäuscht wirst. Doch auch dafür gibt es eine Lösung. Sie heißt Punkt 1.

4. Kontrolle abgeben und delegieren lernen

Auch wenn es manchmal schwerfällt, kann das Abgeben von Kontrolle unseren Alltag enorm erleichtern. Wer alles an sich reißt, hat in der Regel viel zu tun, worunter mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann die Ergebnisse leiden. Oder schlimmer: Man vergisst Pausen zu machen, ignoriert die eigenen Grenzen und schadet sich und seiner Gesundheit. Damit ist niemandem geholfen.

Für deine Arbeit im Team heißt das ganz konkret in die Fähigkeiten der anderen zu vertrauen. Sei offen für alternative Lösungswege, auch wenn sie nicht den eigenen entsprechen. Nur so kannst du Aufgaben delegieren und dich auf das Wesentliche konzentrieren. Wenn dir das immer noch schwerfällt, kann es helfen zunächst mit weniger wichtigen Aufgaben zu beginnen und sich langsam zu steigern. Zu guter Letzt ist es hilfreich, sich folgendes vor Augen führen: In den meisten Fällen kontrollieren wir viel weniger als wir glauben.

Fazit

Vertrauen in Teams ist letzten Endes so wichtig, weil es eigentlich den Kern des Teams ausmacht. Es macht klar, dass wir einander brauchen, um Dinge zu schaffen, die wir alleine nicht schaffen würden. Bringen wir uns kein Vertrauen entgegen, können wir die Vorzüge sinnvoller Arbeitsteilung kaum auskosten. Und darum geht es ja schließlich. Also, wenn du das nächste Mal überlegst, es doch wieder alleine durchzuziehen, denk dran:

We all need somebody to lean on.

Bill Withers